12.12.2016 Ausstellungseröffnung / Sina Opalka, 20 Uhr

Hier einige Worte der Fotografin:

ausstellungIn dieser Ausstellung werde ich einen Bildermix aus Reise- und Reportage-fotografie in Farbe und Schwarz-Weiß zeigen, so-wohl als auch Alltags-ausschnitte, die sich mal ohne, mal mit Menschen fotografisch gestalten und darbieten. Dabei werden dem Betrachter unter anderem Szenen aus Indien, Marokko, Georgien, Süd-afrika und dem Iran begegnen. Weitere fotografische Fragmente lassen sich auch ganz ohne geografischen Kontext individuell emotional verorten und kommen mit einer Prise Poesie daher.

Wenn ich durch die Linse schaue & auf den Auslöser drücke dann ist Liebe mit im Spiel. Eine abstrakte Liebe, die sich in Farben, Formen & Gesichtern widerspiegelt. Es sind Momente, die passieren ohne nach Aufmerksamkeit zu trachten & dennoch darauf warten wahrgenommen zu werden. Ein tieferer Sinn? Das entscheidet derjenige, der sich als Betrachter bezeichnet. Alles kann tief sein, wenn wir uns & anderen erlauben nur lang genug zu graben. Das Nachdenken kommt dann oftmals erst viel später. Dann sehe ich die Geschichte, die ich vorher nur spüren konnte. Dann ergibt alles einen Sinn.

Was ich tue habe ich hinterfragt & gekommen bin ich wieder auf die Liebe & die Zuneigung. Zur Welt, zu den Menschen & zu den Geschichten, die sie mit sich in der Hosentasche rumtragen. Dabei geht die Fotografie & das Schreiben Hand in Hand mit dem reisen durch nahe und auch ferne Länder. Jeder Ort ist darauf angewiesen, ständig neu von uns erfunden zu werden, ihm einen persönlichen Stellenwert zu geben & ihm eine eigene Bedeutung beizumessen. Mich fasziniert der Gedanke, dass alles seinen Platz hat & dennoch losgelöst ist vom Geschehen der Zeit. Eine Sekunde zu erwischen, die bedeutungsschwer war & nur noch ein emotionales Echo hinterlässt, ist für mich unter anderem das Besondere an der Fotografie. Sie lässt so viel Raum für Interpretationen, Gedanken, Träume & Wünsche.

Ein Ort, der sanft berührt wird durch das Leben, hinterlässt Erinnerungen. Schmerzliche, schöne, aber auch völlig belanglose. Da sind Fenster & hinter Fenstern Menschen & in diesen Menschen stecken Geschichten, eine oder mehrere Sprachen, Ängste & Fähigkeiten. Es ist der Raum, der entsteht, wenn etwas geschehen ist, was man nur noch erahnen kann. Jeder Ort ist Mittäter & unfreiwilliger Voyeur. Mit meiner Kamera versuche ich, diese Orte in ihrem Berührtsein einzufangen & einen Moment zu konservieren, der sich fernab der Fotografie längst verflüchtigt hat. Oft habe ich das Verlangen, Menschen zu fotografieren, eine Menge Menschen, damit ich ihre Gesichter & das Gefühl, das sie mir vermittelten, behalten darf. Doch meistens sind es die Plätze, die bleiben, die besser durch die Linse passen, weil sie mich in ihrer Präsenz nicht so nervös machen.

Menschen machen mich neugierig, so neugierig, dass ich es manchmal nicht aushalte, nichts zu fragen oder mich nicht noch einmal umzudrehen. Festhalten möchte ich sie und wissen, woher sie kommen, wohin sie gehen, was sie treibt, zerrt & zieht. Ich fühle mich ihnen so verbunden & dennoch so weit von ihnen entfernt. Neben der Fotografie schreibe ich & versuche, eben diese Momente literarisch festzuhalten. In meinen Gedichten & Texten spielen ähnliche Themen eine entscheidende Rolle. Wenn wir in das Treiben der Welt geschmissen werden, sind wir nicht nur den eigenen Erfahrungen & Emotionen ausgesetzt, sondern auch denen der anderen um uns herum.

Vernissage am 12.12.2016 im Café Morgenrot.

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