ein paar gedanken zu linker preispolitik

Liebe Freund_innen des Café Morgenrot!

Leider mussten wir nach langem Ringen kürzlich einige unserer Preise erhöhen. Dies hat ver­schiedenste Gründe, die wir Euch hiermit gerne offen legen wollen. Im Grunde gilt:

Eine linke Kneipe ist keine Discounterkneipe!

Als linkes Projekt versuchen wir, einigen Ansprüchen an verantwortungsvolles Wirtschaften ge­recht zu werden. Neben den Arbeitsbedingungen all jener Menschen, die hier für Euch den Laden am Laufen halten – dazu zählt neben einer geringfügigen Entlohnung nicht zuletzt auch eine gesicherte Unfall­ und Krankenversicherung – gilt es auch zu berücksichtigen, woher die bei uns angebotenen Produkte stammen und von wem wir sie beziehen. So versorgen wir uns mit Kaffee nicht etwa im nächstgelegenen Kaffeediskont zu Dumpingpreisen, sondern über die von „Café Libertad“ unterstützten, selbstverwalteten Projekte, wie etwa die Frauenkooperative „Las Chonas“ in Honduras. Unsere Tees, die durchweg aus biologischem Anbau stammen, sind ebenso fair gehandelt und haben demnach auch ihren Preis. Darüber hinaus beziehen wir un­sere anderen Getränke auch nicht einfach über den Großhandel, sondern über befreundete lin­ke Vertriebskollektive, die sich ebenso wie wir in einer Weise organisieren, die dem eigenen An­spruch an einen faireren und weitsichtigeren Umgang mit all den hinter den Produkten und Dienstleistungen stehenden Menschen gerecht zu werden versuchen. „Links“ heißt eben auch, sich bewusst zu machen, dass unendlich billig oft auch unendliche Ausbeutung bedeutet, für die Leute hier, noch viel mehr aber für die Menschen in den Produktionsstätten. Wir können, und wollen, den Preisdruck nicht wie im Discounter allein auf uns als „Arbeitskräfte“ noch auf unsere Produzent_innen oder Lieferant_innen verteilen. Das ist eine Qualität, für die Ihr hoffent­lich gern bezahlt.

Zudem sei erwähnt, dass viele der Produkte, die wir euch anbieten, in den letzten Jahren er­heblich teurer geworden. So gab es im letzten Jahr eine recht schlechte Obsternte, die sich un­mittelbar auf die Preise im Safteinkauf niederschlägt. Aber auch in Bereichen, die oftmals nicht unmittelbar mit einem Café- oder Kneipenbesuch in Verbindung gebracht werden, fallen viele Kosten an, die kontinuierlich gestiegen sind. Dazu gehören etwa die Betriebskosten und damit der in einem Café nicht unerhebliche Strom-, Öl- und vor allem Wasserverbrauch wie auch die obligatorischen Beiträge für die Berufsgenossenschaft und die bereits erwähnten Krankenkas­sen – von diversen Einbrüchen und vom Gesundheitsamt verordneten Umbauten mal ganz abge­sehen. Mit unserem bisherigem und über viele Jahre beinahe konstant gebliebenen Preisniveau konnten wir die gestiegenen Kosten schlicht nicht länger decken. Dennoch versuchen wir auch weiterhin, nicht zuletzt durch unser solidarisches Bezahlprinzip beim Frühstücksbuffet, ebenso Menschen mit eingeschränkten finanziellen Mitteln die Möglichkeit zu geben, bei uns eine ange­nehme Zeit zu verbringen. Das kann natürlich allein dann funktionieren, wenn alle verantwor­tungsbewusst mit diesem Konzept umgeben. Wir möchten auch in Zukunft einen Raum schaf­fen – frei von Rassismus, Sexismus und Homophobie – der allen Menschen offen steht und in dem sich alle wohl fühlen können. In diesem Sinne: Wir freuen uns auf Euch!

Mit lieben Grüßen,
Euer Morgenrot-Kollektiv

Feedback?